KØPI 137 - News:
14.
Mai 2008 | Villa Rosenau von Räumung bedroht...
Nun
ist auch der letzte selbst verwaltete, nicht-kommerzielle Freiraum Basels,
die Villa Rosenau, in seiner Existenz bedroht. Das im Herbst 2004 besetzte
Haus ist das einzig wirklich belebte und „grüne“ Haus im
Industrieareal zwischen dem Zoll St. Louis Grenze, dem Grand Casino und
dem Schlachthof. Es soll Ende Juni geräumt werden. Dies geht aus einem
Brief des Basler Tiefbauamtes vom 26. März 2008 hervor. Begründet wird
die Räumung und der daraufhin geplante Abriss des Hauses mit der
gesetzlichen Verpflichtung, als Kompensation für den Bau von Autobahnen
Grünfläche zu schaffen. Laut Tiefbauamt müsse diese Grünfläche mit
dem Abschluss der Nordtangente auf dem Gebiet der Hagenau geschaffen
werden. Dies ist allerdings nur ein Vorwand. Das Gesetz schreibt nicht
vor, wo eine Grünfläche geschaffen werden muss. Dass ausgerechnet ein
Wohn- und Kulturraum weichen soll, um zwischen Autobahn und Müllverbrennungsanlage
eine Grünfläche zu schaffen, ist für uns unverständlich. Unglaubwürdig
erscheint die Argumentation auch deshalb, weil das Tiefbauamt bis Februar
Verhandlungen über einen Gebrauchsleihvertrag mit der Villa führen
wollte, die zu keinem Ergebnis kamen. Im Moment versucht das Tiefbauamt,
die Verantwortung auf den Bund abzuschieben: Seit dem 1. Januar 2008 sei
der Bund im Rahmen des Aufgaben- und Finanzausgleichs für das Areal zuständig.
Doch den Brief mit der Räumungsandrohung schickte das Tiefbauamt. Ein
weiteres Argument des Tiefbauamtes kann ebenfalls widerlegt werden. Herr
Frauchiger vom Tiefbauamt behauptete in einem Artikel des Gratis-Blattes
20-Minuten vom 4. April, sie hätten die Strom- und Wasserrechnungen der
Villa Rosenau in den letzten Jahren zahlen müssen, weil der IWB der
Zugang verwehrt worden sei. Dies ist gelogen: Einerseits war die IWB
mehrmals im Haus, um den Zähler abzulesen, andererseits wurde von Seiten
der Villa schon im Sommer 2005 vorgeschlagen, die Kosten zu übernehmen.
Daraufhin gab es keine Reaktion – möglicherweise deshalb, weil dies als
eine Anerkennung des Wohnverhältnisses gegolten hätte. Zudem wurde im
Januar dieses Jahres direkt mit der IWB einen mündlichen Vertrag
abgeschlossen, sodass in Zukunft der Verein Villa Rosenau die Rechnungen
bezahlen wird.
Wofür soll
die Villa stehen?
Die Villa bietet Platz für
Wohnraum sowie für ein breites Kultur- und Politprogramm. Die selbst
aufgebaute und finanzierte Infrastruktur, wie die Bibliothek, der freie
Internetzugang, das Kino, der Konzertkeller, die Werkstatt, und der Gästebereich
mit eigener Küche stehen allen offen, die sich mit den Grundsätzen eines
diskriminierungsfreien Raumes, sprich aktives Eintreten gegen Rassismus,
Sexismus oder Homophobie einverstanden erklären. Die Erstellung und
Instandhaltung der Struktur funktionierte gänzlich ohne Hausverwalter
oder Eigentümer. Zu den alltäglichen Aktivitäten der Menschen, die
diesen Raum nutzen, gehört die Organisation von Konzerten, veganen Volksküchen,
politischen Infoveranstaltungen oder Workshops, um Begegnungen zu ermöglichen,
Wissen weiterzugeben, und so den Austausch zwischen Menschen
unterschiedlicher Herkunft anzuregen. Der Raum bietet die Möglichkeit,
Utopien auszusprechen und zu verwirklichen. Für die Erhaltung dieses
Raumes sind wir bereit zu kämpfen.
Aus für
Freiräume
Schweiz- und europaweit bewegt
sich die (Stadt-)Entwicklung dahin, dass nicht in das gängige Schema
passende Freiräume von Repression und Räumung bedroht werden. Beispiele
dafür sind das Ungdomshuset in Kopenhagen und das Rhino in
Genf, um nur zwei aktuelle Beispiele zu nennen. Besetzte Häuser, die sich
der kapitalistischen Verwertungslogik zu entziehen versuchen, sind den
Herrschenden ein Dorn im Auge. Mit der Entwicklung verbunden sind
Schlagworte wie „Stadtbildaufwertung“, Zero Tolerance oder
„Sicherheit“. Es lässt sich grundsätzlich eine Tendenz hin zu
Normierung oder dem Ausschluss und der Bekämpfung von rand- und widerständigen
Gruppen beobachten. Im Fall von Basel zeigt sich diese Entwicklung etwa an
der schleichenden Ausbreitung des „Novartis Campus“ im St.
Johanns-Quartier, die dazu führt, dass finanzschwache Bevölkerungsgruppen
verdrängt werden.
Häuser
besetzen – Warum?
Warum besetzen wir Häuser? Und
warum werden wir damit auch nicht aufhören? Gründe dafür gibt es viele.
Es ist offensichtlich, dass die heutige Situation für einen Grossteil der
Menschen eher aussichtslos als erstrebenswert erscheint. Wir reden davon,
dass es hier Menschen gibt, die kein geregeltes Arbeitsverhältnis oder
gar keine Lohnarbeit haben, was in der heutigen Gesellschaft sozialen
Ausschluss nach sich zieht. Davon, dass in der Schweiz nicht jede/r der
Meinung ist, dass materieller Wohlstand die Essenz eines schönen Lebens
ist. Dass es auch noch Menschen gibt, die nicht das Geld haben oder je
hatten, die hohen, überteuerten Mieten in der Stadt Basel zu bezahlen.
Abgesehen davon gibt es vielleicht auch noch andere Vorstellungen davon,
was es bedeutet zu leben. Manche Menschen sehen keinen Grund, sich in
ihrer Lebensfreude einschränken zu lassen, nur weil ihre Vorstellungen
nicht in das herrschende System passen. Andere haben einfach nur das Bedürfnis,
ihren Lebensraum in eigener Verantwortung zu formen und zu gestalten. Um
was geht es hier konkret? Um leer stehenden Wohn- und Lebensraum, in einer
Zeit der herrschenden Wohnungsnot; in der günstiger Wohnraum zu einer
wahren Rarität wird. Darum, dass immer mehr Räume in unserer Stadt klar
definiert sind. Wir wehren uns gegen eine Stadtpolitik, die aktiv Wohnraum
zerstört und damit sozial Schwächere marginalisiert. Nur wenige
Orte lassen es zu, eigene Ideen zu entwickeln und ohne Konsumdruck
gemeinsam zu verwirklichen. Darum besetzen wir. Weil Besetzen Freiräume
eröffnet, die den Menschen vorenthalten werden (wie so vieles andere
auch). Weil Menschen, die mit wenig Geld ihr Leben gestalten, aus der
Innenstadt gedrängt werden. Alternativkultur ist nur dann erwünscht,
solange sie kontrollierbar bleibt und Geld einbringt.
Wie weiter?
Das Verhalten des Tiefbauamtes
erscheint uns unorganisiert, gar widersprüchlich. Gerade weil die Leute
von der Villa Rosenau von Anfang an verhandlungsbereit waren, ist die plötzliche
Räumungsandrohung nicht nachvollziehbar. Wir sind weiterhin für
Verhandlungen offen.
Für uns ist auf jeden Fall klar, dass wir die Räumung nicht einfach
hinnehmen werden. Für uns bedeutet das auch, jede erdenkliche Möglichkeit
in Erwägung zu ziehen, um diesen Raum zu erhalten und neue Räume zu
schaffen.
Was wir
fordern ist nicht die Kultur, sondern den Raum und die Zeit, um diese
selber entstehen lassen zu können.
No retreat, No surrender!
Mehr Infos --> www.villarosenau.ch.vu
14.
May 2008 | Villa
Rosenau threatened with eviction...
The
last autonomous, non-commercial space in Basel, the Villa Rosenau, is now
threatened in its existence. Squatted in September 2004, it is the only
really eventful and „green“ house left in the city, in the middle of
an industrial area, nestled in between the Franco-Swiss customs, the Grand
Casino and the slaughterhouse. In a letter dated the 26th of March, 2008,
the Tiefbauamt (the division of the Department of Construction which
administers the estate) announced their plans of eviction to take place on
June 30th. The reasons stated are the setting up of legally required
pastures in compensation of the recently built, near-by freeway
Nordtangente, which cost 1.55 billion francs to construct.
However,
this is merely pretense, as the law does not state where to erect these
spaces, and the Rosenau area is by far not the only possibility. It is
incomprohensible to us how demolishing a cultural project to make room for
a tiny lawn with limited usability (due to its position between the
freeway and the recycling facilities) can be justified.
Contract
negotiations were held until February of this year, when the
administration unilaterally broke them off. In a free daily called
20Minuten, the head of the department, A. Frauchiger, proclaimed the
department had been forced to pay the water and power bills because they
were denied entry to the squat, which is a completely fabricated „fact“.
Furthermore, the squatters repeatedly offered to pay the bills, but were
never taken up on it, possibly because that could have been seen as an
acquiesence to the housing situation of the squatters. A contract with the
local power supplier was agreed upon in January of this year; the bills
are paid by the collective since.
What’s
happening in the Villa?
The villa offers living space and a broad spectrum of cultural and
political events and activities. The self-organized infrastructure, such
as a library, free internet access, a movie theatre, a concert venue with
bar, a technical workshop and guest rooms with open kitchen are freely
accessible to anyone who agree with the principles of space without
discrimination, e.g. active non-toleration of racism, sexism, homophobia
etc.
Everyday activities of the people who frequent the Villa include the
organization of concerts, vegan VoKüs, political evenings, or workshops
with the aim to share knowledge and enable the exchange of many different
people with varied backgrounds. It’s an open space for the articulation
of utopian ideas and the implementation of action to achieve them. We are
going to fight for this house!
What’s
next?
The conduct of the Tiefbauamt appears disorganized and contradictory. The
threat of eviction is startling and not understandable, especially since
the Villa activists were open to negotiations from the very beginning. We
continue to be willing to negotiate. In any case, it’s evident to us
that we won’t accept the eviction without a struggle: We will take into
consideration every possibility to protect and preserve this autonomous
space as well as create new ones.
No
retreat, no surrender!
More
info
--> www.villarosenau.ch.vu
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