KØPI 137 - News:
21.
Januar 2010 | Unterstützungs-Aufruf
für das von Räumung bedrohte Hausprojekt Liebig 14 in Berlin„Vom
Gerichtssaal auf die Straße"
Das autonome Wohn- und Kulturprojekt
Liebig 14 steht kurz vor der Räumung. Am 13.11.2009 fand der letzte
Prozess gegen
das Hausprojekt in der Liebigstraße 14 in Berlin statt. Wie vorauszusehen
war, wurde der juristische Kampf
um die bestehenden Mietverträge verloren. Jetzt gilt es einer drohenden Räumung
auf anderen Ebenen etwas entgegenzusetzen.
Das Haus in der Liebigstraße 14 wurde 1990 nach Leerstand besetzt und
erlangte 1992 durch die
Wohnungsbaugesellschaft Friedrichshain (WBF) Einzelmietverträge. Seit der
besetzung bietet das Projekt gemeinschaftlich
verwalteten Wohnraum für Menschen verschiedenster Altersgruppen und
Herkunft sowie Platz für kulturelle Veranstaltungen
und politisch- emanzipatorische Arbeit. Im Jahr 1999 wurde das Haus an die
LiLa GbR verkauft, bestehend aus den
Gesellschaftern Suitbert Beulker und Edwin Thöne. Mit dem Eigentümerwechsel
begann eine Reihe von aggressiven Maßnahmen
gegen die Bewohner_innen und die kollektive Wohnform. Wie z.B. die Räumung
der Gemeinschaftsräume im Erdgeschoss 2007
und dem Abbau einer Zwischentür im Treppenhaus, welche von den
BewohnerInnen notwendigerweise anstelle der einzelnen
Wohnungstüren eingesetzt worden war. Diese musste letztendlich auch als Kündigungsgrund
herhalten.
Die Liebig 14 positioniert sich gegen
gesellschaftliche Ausgrenzung und Unterdrückung jeglicher Art und
bietet
kollektiven Wohnraum für politisch Interresierte und vom
profitorientierten Wohnungsmarkt Ausgeschlossene.
Die selbstorganisierte Hausgemeinschaft ermöglicht zudem ein
solidarisches und selbstbewusstes Auftreten im Umgang
mit „Hauseigentümern“ und drohender Verdrängung.
Die Verdrängung unkommerzieller Projekte ist mit eine Folge der
umfassenden Aufwertung der Innenstadtgebieten (Gentrifizierung).
Die Modernisierung von günstigem Wohnraum und die dadurch steigenden
Mieten sind eine folge kapitalistischer Verwertungslogik.
Dadurch findet vor allem eine Verdrängung einkommensschwacher Menschen
statt.
Organisierte
Hausgemeinschaften, wie sie in Hausprojekten
existieren, ermöglichen von Gentrifizierung betroffenen
MieterInnen, sich gegen drohende Verdrängung effektiv zur Wehr zu setzen.
Daher ist der Kampf für den Erhalt eines Autonomen Hausprojektes ist als
exemplarisch für den Widerstand gegen Gentrification
zu begreifen.
„Wenn sie sich mit eine_r von uns
anlegen, legen sie sich mit uns allen an.“
Die Liebig 14 ist in Berlin Teil einer Struktur linksradikaler Freiräume,
in denen versucht wird, die Einflüsse gesellschaftlicher
Ausgrenzungs- und Unterdrückungsmechanismen wie z.B. Rassismus, Sexismus,
Homophobie möglichst gering zu halten.
Doch geht es nicht darum, sich die eigene schöne Welt zu schaffen sondern
um den Anspruch , mit den Ideen einer Gesellschaft ohne Kapitalismus,
Hierarchien und Unterdrückung, in die Gesellschaft zu intervenieren. In
Angesicht dessen, wäre der Verlust eines Raumes,
in dem dies Erprobt und für einige Menschen Lebbar gemacht wird nicht
hinzunehmen. Das Vorgehen gegen eines unserer Kultur-
und Wohnprojekte ist mit ein Angriff auf alle, die dieses und ähnliche
Projekte nutzen aber auch auf alle, die mit den Ideen und
Ansprüchen des Projektes die Gesellschaft erreichen wollen.
Darum seid Solidarisch und unterstützt den Kampf um den Erhalt der
Liebigstraße 14.
Gerade in letzter Zeit kam es in
Berlin zu einem schlag der staatlichen repressionsorgane gegen Einzelpersonen
sowie linksradikale strukturen. Menschen wurden festgenommen, Hausprojekte
gerazzt, keine 2 wochen später wird das
Wohnprojekt in der Brunnenstrasse 183 geräumt und kurz darauf ein
Jugendlicher in einem Park von Zivilpolizisten angeschossen.
Darauf gab es bereits viele Antworten, jedoch gilt es auch nach vorne zu
blicken und sich auf kommende Ereignisse vorzubereiten
um nicht weiter in die deffensive zu geraten. Eine Räumung der Liebig 14
kommt für uns nicht in frage. Zeigen wir gemeinsam,
dass wir keinen bock haben auf diesen staat und seine repression, dass wir
keinen bock haben auf Fremdbestimmung und
dass wir keinen bock haben auf kapitalistische Verwertungslogik. Wir
wollen das schöne leben – nicht übermorgen,
nicht morgen sondern jetzt!
Kapitalistischen normalbetrieb
stilllegen!
Wir bleiben alle!
http://wba.blogsport.de/tagx-liebig-14/
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